Archiv für den Monat: April 2010

Wieviel Mode verträgt der Markt?

Ehrlich gesagt verstehe ich manche Dinge in der Mode nicht. Oder besser gesagt: In der Massenmode. Man kann sich darüber streiten, ob Massenmode auch wirklich Mode ist. OK, sind wir mal nicht so streng und sagen: Ja.

Wir sehen alle, dass grosse Modeketten weiter im Vormarsch sind und schon seit langem das Stadtbild und die Landschaft der Mode verwandelt haben. Wie lange hält der Trend an? Wieviel Massenmode vertäkt der Markt und welche Rolle spielen Boutique und Fachhandel dabei?

Massenmode ist Esprit, Abercrombie & Fitch, Zara, Mango und H&M. Das mal voraus. Das sind grosse Unternehmen, die nach Management Regeln geührt werden und grosse Wachstumziele für ihre Investoren verfolgen.

Der Deutsche Young Fashion Filialist New Yorker plant für dieses Jahr 100 neue Stores, hat schon 730 Filialen in 27 Ländern. Das Geheimrezept ist scheinbar, dass sich der New Yorker schnell auf Trends einstellt und die Sprache der Jungen Kunden versteht. Das ist ja nichts neues an sich, aber vielleicht setzen sie das gut um. Keine Ahnung.

H&M möchte 15% mehr Stores im 2010 haben. New Yorker und H&M betreiben eine aktive Marketingpolitik, die Stars und Stardesigner integriert. Esprit hat weltweit 14000 Stores und 800 eigne Retail Stores. Das ist eine Menge an Stores. Wie kann da noch mehr Wachstum möglich sein? Zum Teil verkaufen diese Ketten Mode zu Preisen, die bei uns in der Modeagentur die Einkaufspreise sind. H&M kommt desweiteren noch mit neuen Filialkonzepten wie Weekday und Monki auf den Markt. Scheinbar ist alles möglich. Wachstum ohne Grenzen oder ist es eine Umverteilung?

Ich kaufe dort nicht ein. Die Mode, die ich kaufe, die trage bzw. habe ich lange bei mir, und ich will Nachhaltigeit. Ich habe z.B. noch heute einen Gucci Seidenpullover, der mal 800 GBP kostete, und ich bekomme noch heute Komplimente dafür.

Ich halte an den Dingen fest, mich reut es, Dinge zu kaufen und dann wegzuschmeissen. Sind denn die jungen Menschen alle anders? Als ich einer jungen Kollegin diese Frage stellte wurde es mir klar: Sie will auch gerne diese Mode, die wir in der Modeagentur verkaufen, aber es ist zu teuer. Es ist also nicht so, dass alle jungen Menschen nur das billige und schnelle wollen., Sie wollen einfach an der Mode teilhaben mit einem Budget, das sie haben. Die Rolle der Boutique, des Fachhandels und die Modeagentur ist es, dieses Verständnis zu pflegen und sich bei der Auswahl der Mode, die sie einkaufen so zu orientieren, dass es Teile und Kollektoinen sind, die nicht durch gleich gute Produkte der Massenmode auch schon abgedeckt ist.

Individuelle Mode

In der heutigen Zeit sehen sehr viel und haben sehr viel mehr Eindrücke als jemals zuvor. Wir sehen sehr viel individuelles und vor allem individelle Mode. Bekannt sind ja auch die blogger, die mit ihren Fotos aus aller Welt zeigen, wie Menschen sich individuell kleiden, welche individuelle Mode sie tragen. Und das ist schön so, denn mich bereichert es. Es bringt mir neue Ideen und macht mir echt Freude so ewas zu sehen. Manchmal mache ich auch direkt ein Kompliment. Es ist so eine Art Belohung, denn ich denke, dass diese Menschen nicht so viel gelobt werden. Individuelle Mode ist als was ganz schönes und spannendes für mich.

Heutzutage gibe es ein sehr grosses Angebot an Mode. Es ist für jedes Budget was zu haben, es gibt echt keine Ausreden mehr, dass man sich nicht cool, schick oder besonders anziehen kann. Wer es jetzt nicht macht, der oder die hat gerade andere Gründe oder andere Sorgen.

Da gibt es in der Mode Concept Stores, Lifestyle Store, Ketten von grossen und kleinen Unternehmen. Uns individuelle Mode zu verkaufen bedeutet ein grossen Aufwand zu betreiben. Ich bin mit nicht sicher, ob das der Kunde wirklich auch weiss. Klar, wieso muss der Kunde das auch wissen, wenn es doch nur darauf ankommt, das er kauft?

Das grosse flächendeckende Angebot voir allem sehr günstiger Mode hat nach meiner Meinung aber auch Schattenseiten. Es ist super, wenn der Kunde kauft, klar; aber ich behaupte, dass das Überangebot Kunden dazu bringt, den Respekt vor der Arbeit, die hinter dem Angebot und der individuellen Mode steht, zu verlieren. Kleidung, die aus diesen grossen Ketten kommt, wird leicht zur Wegwerfware degradiert. Damit habe ich ein Problem, denn dahinter steckt auch ein rücksichtsloser Umgang mit Resourcen und der Natur. Mag sein, dass das für die Wirtschaft gut ist, denn grosse Ketten wie z.B. H&M und Esprit arbeiten im grossen Stil, stellen viele Leute ein, machen grosse Umsätze, bringen Vermietern an guten Lagen gute Mieteinnahmen. Was will man mehr? Es läuft doch.

Ich finde, dass wir uns mehr wünschen dürfen. Ich will, dass es ein ausgewogenes Mass gibt, das auch Langristigkeit und Verantwortung kennt. Individuelle Mode entsteht auch durch gute Beratung, Fachwissen und durch Interesse an den Materialien, nicht nur an flüchtigen Eindrücken auffallend angezogener Menschen. Die Rolle der Boutique, des Ladens, des Einzelhandels ist es durch die Beratung und Fachwissen individuelle Mode entstehen zu lassen. Das sind Dinge, die die Wirtschaft und die grossen Ketten wie H&M und Esprit nicht messen können. Denen geht es um Zahlen. Umsatz für die einen, Steuereinnahmen für die anderen. Heutzutage eine gute Boutique oder ein guter Filialist zu sein bedeuetet auch, sich diesen Aufgaben zu widmen. Nicht alles was wir tun kann rein an Zahlen gemessen werden, wie es die Chefs der grossen Ketten tun.

Funktionstextilien: Medienweste und portable-handbag

Also über den Begriff Funktionstextilien kann man streiten. In Google wird der Begriff Funktionstextilen zwar 308000 mal gesucht, aber ich habe noch nie mit jemanden gesprochen, der aktiv und bewusst nach Funktionstextilien sucht. Es gibt für fast jede Branche Arbeitskleidung, aber niemand würde auf die Idee kommen, dass Funtionstextilien zu nennen, oder?. Schliesslich weiss man ja, was ein Banker, ein Koch, ein Sanitäter und ein Pilot anzieht. Bei den Funktionstextilien der neuen Art geht es um was anderes.

Bei Funktionstextilien geht es um eine Nische von Berufsgruppen oder eine Gruppe von Menschen, die einem bestimmten Hobby nachgehen. In der Zeitschrift textile network vom Februar 2010 wird z.B. ein Outfit für Filmleute beschrieben, eine wasserdichte hochfunktionelle Medienjacke. Ergänzt wird diese Medienjacke durch eine Medienweste, die die Modedesignerin Frau Heike Hüning entwickelt hat.

Und wie es der Zufall will treffe ich im März im Cafe mojo in der Charles Street in NYC einen Fotographen aus Holland namens Renze, der mir sagte, dass es echt Bedarf gibt für eine schöne Jacke bzw. einen schönen Blaser für Fotographen. Denn Fotographen tragen gerne etwas modisches und funktionelles vor ihren Kunden, den ihre Kunden kommen auch cool und gestylt daher oder ihr Auftrageber aus den Modejournalen sind echt gut angezogen. Da sieht ein reines Funktionstextil einfach nicht gut genug aus.

Kann etwas funtionelles auch wirklich gut aussehen? Vielleicht so, dass man es auf den ersten Blick gar nicht als solches erkennt?

Wir haben auch so was erlebt. Wenn wir mit unseren Hunden Max und Luna unterwegs waren, da fiel uns auf, mit wieviel Sachen wir da durch die Gegend gehen und mit uns rumtragen. Für Frauen ist da auch noch die Handtasche mitzunehmen, denn im Auto sollte man die nicht lassen. Daher haben wir eine Weste entwickelt, die sowohl als Handtasche als auch als Weste dienen kann. Wir haben das portable-handbag genannt sozusagen ein Wortspiel aus Handtasche und Tragbarkeit. Entwickelt wurde das von Susanne Röthlisberger und Flavia Bon, die bei uns ein Praktikum gemacht hat und Textildesign in Basel studiert.

Das Schöne an der Mode ist, dass es eben noch nicht alles gibt oder, das was es gab wieder neu interpretiert wird. Kunden mit besonderen Hobbies und alle Nischenmaärkte haben es heutzutage einfacher als früher. Unser portable-handbag ist auch ein Beispiel dafür.